Ein Rahmen, in dem sich all diese komplementären Ideen gut zusammensetzen lassen, ist die Idee der Glücksoberfläche. Dieses Konzept wurde von dem Unternehmer Jason Roberts geprägt. «Wenn man Energie für eine Leidenschaft auf wendet, dann entwickelt man eine Kompetenz, und eine Kompetenz gleich welcher Art ist wertvoll. Doch oft kann dieser Wert noch gesteigert werden durch die Anzahl der Menschen, die davon wissen. Der Grund dafür ist einfach: Wenn andere Menschen von Ihrer Kompetenz erfahren, wird ein Teil davon Schritte unternehmen, sich diesen Wert zunutze zu machen, und das wird oft in einer Form geschehen, die Sie nie hätten vorhersehen können. Vielleicht wird man Sie engagieren oder als Ihr Partner fungieren oder in Sie investieren wollen … es wird ein glücklicher Zufall sein.»1

Mathematisch ausgedrückt, ist unsere Glücksoberfläche:

Talent (das, worin wir gut sind) x Anzahl der Menschen, die davon wissen

Jeder Mensch hat seine eigene Glücksoberfläche. Sie ist wie ein großes Netz, das wir hinter uns herziehen, um Chancen einzufangen. Ob diese Chancen die Gestalt von neuen Freundschaften, Liebhabern, gut bezahlten Projekten, geschäftlichen Chancen, lukrativen Jobangeboten, Fernsehinterviews, Buchverträgen oder All-Inclusive-Trips nach Jamaika annehmen, können wir im Voraus nicht wissen.

Doch je größer wir unsere Glücksoberfläche machen, indem wir a) eine Kompetenz erwerben und b) mit dieser Kompetenz netzwerken/vorsingen und sie vermarkten, desto mehr Chancen werden in unserem Netz hängenbleiben. Und umso mehr Auswahl haben wir, aus der wir uns das Beste herauspicken können.

Vergessen Sie nicht, was wir in den letzten Kapiteln behandelt haben:

  1. Die Welt ist nicht fair.
  2. Sie haben keine Kontrolle darüber, welche Chancen Sie bekommen. – Es gibt einfach zu viele unbekannte Unbekannte. Wir wissen nicht, wer hinter der nächsten Ecke wartet oder wer im Flugzeug neben uns sitzen wird oder dass der Bursche, der am hintersten Tisch unserer Bar sitzt, nach jemandem sucht, der genau unser Kompetenzprofil hat.
  3. Aber wir können beeinflussen, wie viele Chancen sich uns bieten. – Das erreichen wir, indem wir die Größe unserer Glücksoberfläche maximieren. Wir maximieren sie dadurch, dass wir uns stärker vermarkten. Indem wir diesen Flieger besteigen. Indem wir mit diesem Burschen am anderen Ende der Bar eine Unterhaltung anfangen. Indem wir unser Netzwerk vergrößern. Je flexibler wir in dem sind, was wir tun und wo wir es zu tun bereit sind, je mehr wir uns darauf konzentrieren, einem System zu folgen, statt einem vorgeschriebenen Ziel nachzujagen, je größer unser Netz wird, desto mehr Chancen werden wir darin einfangen.

Die meisten Menschen richten ihr Augenmerk vor allem darauf, ihre Kompetenzen zu verbessern. Die Vorstellung, mit ihren Kompetenzen vorzusingen, behagt ihnen weitaus weniger. Unter meinen Freunden sind Programmierer, die Jahre ihres Lebens investiert haben, um diese großartigen technischen Lösungen für irgendein kleines Problem zu erarbeiten. Ihr Talent ist nicht zu leugnen, ihre Einsatzbereitschaft unübersehbar. Doch wenn es darum geht, das Programm auf den Markt zu bringen, dann investieren sie vielleicht 0,1 % der Zeit, die sie für das Programmieren ihrer Lösung aufgewendet haben, in das Vermarkten des Produkts, damit die Welt davon profitieren kann.

Als ob die Tatsache, dass sie die beste Lösung für das Problem gefunden haben, automatisch dafür sorgen würde, dass diese sich wie von Zauberhand durchsetzt und Wertschätzung erfährt. Als ob die Welt fair wäre.

Marketing? Bäh!

Marketing ist unbequem, es ist nicht ihre Kernkompetenz. Sie müssten mit Menschen reden. Sie befürchten, ihnen ungelegen zu kommen. Mit dem Ergebnis, dass ihre Glücksoberfläche und die Glücksoberfläche ihres Projekts sehr klein bleiben. Ihr perfektes kleines Taj Mahal existiert, doch da sie keine Wegweiser aufgestellt haben, werden sich logischerweise nur sehr wenige Touristen dorthin verirren.

Mit Marketing können wir die fehlerhafte Maschine, die wir unser Leben nennen, neu justieren, um auf unsere Talente aufmerksam zu machen, um unsere Glücksoberfläche zu vergrößern, um die Chancen zu bekommen, die wir verdienen. Mit Marketing hämmern wir die Wegweiser in den Boden: «TAJ MAHAL DIESE RICHTUNG», «TAJ MAHAL 200 METER», «FAST GESCHAFFT», «NOCH EIN KLEINES STÜCK!»

Wie gesagt: Das Universum bietet uns mehr als genügend Chancen, doch wir müssen die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass sie uns finden, indem wir unsere Glücksoberfläche vergrößern. Alles, was wir bis hierher in diesem Buch gelernt haben, arbeitet auf dieses Ziel hin. Durch die Fähigkeit des Internets, Gatekeeper zu beseitigen, ist dieser Prozess leichter als je zuvor. Und zwar unabhängig davon, was verändert werden soll: unser Wohnort (sich positionieren, wo Überfluss herrscht beziehungsweise wo unsere Fähigkeiten gefragt sind), unsere Lebensweise (mithilfe der Freiheitsformel unsere Kosten minimieren, damit wir so lange im Spiel bleiben, bis wir das große Los ziehen) oder die Art und Weise, wie wir arbeiten (ein System schaffen, mit dem wir uns langsam weiterentwickeln können, ohne dass wir uns ständig als Versager fühlen, weil wir ein vorgegebenes Ziel noch nicht erreicht haben).

Wenn wir diese Techniken anwenden, werden wir uns eines Tages ganz am Anfang der Chancen-Schlange wiederfinden und sagen können:

«Heute war wirklich mein Tag …»

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[1] Jason Roberts, How To Increase Your Luck Surface Area, Codus Operandi, 2010 (http://www.codusoperandi.com/posts/increasing-your-luck-surface-area)